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Einsatz in Trümmern
Einsatz in Trümmern
Zwölf Menschen verloren im November 2000 ihr Leben, als das Seniorenhaus der Heilsarmee im Geschwornenweg durch eine Gasexplosion zerstört wurde.
(zusammengestellt von Michael Richartz)Am Montag, dem 20. November 2000 wurde durch Baggerarbeiten im Geschwornen Weg im Bremer Stadtteil Neustadt eine Erdgasleitung aus dem Kelleranschluss eines viergeschossigen Wohngebäudes der Heilsarmee gezogen. Rund 20 Minuten lang konnte Erdgas ungehindert den Kellerbereich des Seniorenhauses fluten und ein explosionsfähiges Gemisch bilden. Aus nicht mehr feststellbarer Ursache kam es gegen 11:10 Uhr zur Zündung, wodurch es zu einer heftigen und folgenschweren Explosion kam. Die entstandenen Druckwelle führte zum Teileinsturz des Gebäudes und zu teilweise massiven Beschädigungen umliegender Gebäude in einem Radius von rund 250 Metern. Zwölf Menschen starben, 20 wurden verletzt. Viele Menschen wurden vorübergehend obdachlos. Der Sachschaden bewegte sich in zweistelliger Millionenhöhe. Der Einsatz der Feuerwehr Bremen und weiterer Hilfsdienste dauerte mehr als 84 Stunden und war die längste und schwierigste Aufgabe seit der Explosion der Rolandmühle im Februar 1979.
Aufgrund des vorliegenden Meldebildes und der Vielzahl der in der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle (FRLSt) eingegangenen Notrufe wurde bereits für den ersten Abmarsch ein Großaufgebot an Einsatzkräften alarmiert. Beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte waren zwei Drittel des betroffenen Gebäudes nahezu vollständig zusammengestürzt. Im stehen geblieben Gebäudeteil riefen mehrere Personen an Fenstern und Abbruchkanten um Hilfe. Mittels zweier Drehleitern, die bis an ihre Ausladungsgrenze eingesetzt wurden, konnten fünf Frauen und zwei Männer nahezu unverletzt gerettet werden. Das Ausmaß der Zerstörung sowie die Art und Nutzung des Gebäudes ließ erwarten, dass mit zahlreichen eingeschlossenen bzw. verschütteten Personen zu rechnen war. Insgesamt 18 Personen wurden in der Verletztensammelstelle, die in der Nähe der Einsatzstelle eingerichtet worden war, erstversorgt. 13 Personen sind zur weiteren Versorgung in Bremer Krankenhäuser transportiert worden.
Begleitend zu den Erstmaßnahmen führte die FRLSt die Alarmierung folgender Einheiten durch: THW, Rettungshundestaffeln SEG-Rettungsdienst, Fernmeldedienst, Notfallseelsorger und Notfallnachsorge. Des Weiteren wurden ein Abbruchunternehmen sowie ein 50-t-Kran angefordert.
Ab 12:00 Uhr bestand keine weitere Brand- und Explosionsgefahr mehr, da vom Entstörungsdienst des örtlichen Gasversorgers swb-Enordia das beschädigte Gasrohr freigelegt und dichtgesetzt werden konnte. Das begonnene Durchsuchen und Abtragen der Gebäudetrümmer wurde unter Zuhilfenahme von Kränen, Baggern und Radladern intensiviert.
Eine besonders dramatische Wendung nahm das Geschehen an, als sich rund eine Stunde nach der Explosion ein Mann über Mobiltelefon bei der Leitstelle der Polizei meldete und mitteilte, dass er und zwei Frauen in den Trümmern liegen würden. Es gelang, die ungefähre Position der Person zu erkunden. Mit technischem Gerät und vor allem viel anstrengender Handarbeit konnte um 17:30 Uhr ein Zugang zu den eingeschlossenen hergestellt werden. Während der Mann nach 6,5stündiger Gefangenschaft aus eigener Kraft durch den in den Trümmerberg vorangetriebenen "Rettungstunnel" und nur leicht verletzt in die Freiheit kriechen konnte, musste eine Frau noch in den Trümmern von einem Notarzt erstversorgt werden. Bei der zweiten Frau konnte der Notarzt bereits vor Ort leider nur noch den Tod feststellen. Im Laufe der folgenden Tage wurden weitere zehn Menschen tot aus den Trümmern geborgen. Eine zunächst gerettete Frau verstarb nach drei Wochen leider an ihren schweren inneren Verletzungen. Die Suche nach Verschütteten musste im Verlauf des Einsatzes immer wieder unterbrochen werden, da die Einsturzgefahr laufend wuchs und die Einsatzkräfte unverhältnismäßig zu gefährden begann. Wie durch ein Wunder konnte am 22. November, zwei Tage nach der verheerenden Explosion, ein kleiner Mischlingshund lebend gerettet werden. Am 23. November 2000 konnten die Bergungsarbeiten kurz vor Mitternacht nach mehr als 84 Stunden abgeschlossen werden.
In Anerkennung der Leistung der Helfer erfolgte im Januar 2001 ein Senatsempfang im Rathaus, an dem mehr als 300 Helfer aller eingesetzten Organisationen, Einrichtungen und Behörden teilnahmen.


Einsatz unter Trümmern

















