- Suche in feuerwehr-bremen.org
- 1:
Startseite. - 2:
Wir stellen uns vor. - 3:
Aufgabengebiete. - 4:
Einsätze. - 5:
Fahrzeuge. - 6:
Kinderseite. - 7:
Informationen. - 8:
Fotoalbum. - 9:
Historie.- 9.1:
Einsatz unter Trümmern. - 9.2:
Gastankexplosion. - 9.3:
Vor dem Ertrinken gerettet. - 9.4:
Explosion auf der WIHINAPA.
- 9.1:
- 10:
Kontakt. - 11:
NOTRUF. - 12:
Forum. - 13:
Gästebuch. - 14:
Modellbau. - 15:
Förderverein e.V.. - 16:
Anmelden.
Explosion eines Flüssiggastanks
Explosion eines Flüssiggastanks
Sachschaden in Höhe von 18 Millionen Mark
(zusammnengestellt von Michael Richartz)Am 10. Mai 1994 wurde der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle der Feuerwehr Bremen (FRLSt) um 00:49 Uhr über Notruf 112 der Brand eines Müllcontainers in der Kohlenstraße im Ortsteil "Utbremen" gemeldet. Aufgrund der Meldung "Müllcontainerbrand" wurde das Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF) von der für den Ausrückebezirk zuständigen Feuerwache 1 alarmiert.
Der Einsatzort lag auf einem rund 1180 m2 großen Mittelgrundstück zwischen der Norderneystraße und der Kohlenstraße und war Eigentum einer mit Flüssiggas handelnden Firma, die auf dem Gelände eine Abfüllstation für Flüssiggas unterhalten hat. Das Bürogebäude lag an der Grundstücksgrenze zur Kohlenstraße, während die Abfüllstation mit dem dazugehörigen oberirdischen Flüssiggaslagertank mit einem Fassungsvermögen von 2,9 t in der Mitte des Grundstückes angeordnet war. Auf dem Gelände lagerte ebenfalls eine größere Anzahl von neuen, ungefüllten Gasflaschen unterschiedlicher Größenordnung. Ein mit gefüllten Gasflaschen beladener LKW war in Höhe des Bürogebäudes abgestellt. Auf dem südlich des Gastanklagers angrenzenden Grundstück befand sich ein 1100 m2 großer Gebäudekomplex, bestehend aus Bürotrakt und Lagerhalle mit Einliegergaragen. Das Gebäude wurde von einer Firma als Auslieferungslager für Zigaretten genutzt. An der Nordseite des Gastanklagers befanden sich zwei weitere Lagerhallen mit einer Gesamtgrundfläche von 2300 m2. In diesen Hallen standen Maschinen zur Herstellung von Rollos, Jalousien usw.. Diverse Kunststoff- und Metallwaren waren dort als Halbfabrikate gelagert.
Die Besatzung des um 00:53 Uhr an der Einsatzstelle eingetroffenen HLF 1 fand folgende Lage vor: Entgegen der Meldung "Müllcontainerbrand" wurde der Brand eines eingeschossigen Bürogebäudes (Größe ca. 6m x 8m) festgestellt, dass sich auf dem Gelände eines Flüssiggastanklagers befand und an dessen Rückseite Druckgasflaschen lagerten. Da mittlerweile eine Vielzahl von Notrufmeldungen eingegangen sind, wurde von der FRLSt um 00:52 Uhr das HLF und die DLK der Feuerwache 4 sowie das HLF der Feuerwache 5 alarmiert. Zeitgleich wurde der von der Hafenwache 5 ausrückende Einsatzleitdienst (ELD) in Marsch gesetzt. Die aus verschiedenen Richtungen anfahrenden Einsatzfahrzeuge wurden über Feuerwehrfunk auf die geänderte Gefahrenlage hingewiesen. Trotz der Dunkelheit war von weitem ein schwarzer Rauchpilz zu erkennen, der den Einsatzort deutlich markierte.
Um 01:00 Uhr erfolgten die ersten schweren Explosionen. Den von Westen in die Kohlenstraße anfahrenden Einsatzkräften bot sich folgendes Bild: Das eingeschossige Bürogebäude brannte in voller Ausdehnung, Flammen schlugen aus den Fensteröffnungen, das Flachdach war bereits durchgebrannt. Durch die Wärmestrahlung kam es dann zur Explosion (Druckgefäßzerknall) der an der Gebäuderückwand gelagerten Flüssiggasflaschen sowie weiterer Flaschen, die sich auf dem LKW in der Nähe des Bürogebäudes befanden. Die sich auf dem Grundstück befindliche Gesamtlagermenge war zu diesem Zeitpunkt nicht erkennbar. Das an der Einsatzstelle zuerst eingetroffene HLF 1 befand sich unmittelbar vor dem Gefahrenbereich. Durch den ELD-Beamten wurde der sofortige Rückzug angeordnet, woraufhin sich alle Kräfte in den Schutzbereich der Gebäudeschatten angrenzender Hallen zurückzogen. Zusätzlich erging über Feuerwehrfunk an alle vor Ort befindlichen Einsatzkräfte die Untersagung, einen Löschangriff aufzubauen. Um 01:03 Uhr erfolgte die erste umfassende Lagemeldung. Daraufhin wurden von der FRLSt in großem Umfang weitere Einheiten und Fahrzeuge alarmiert.
Mittlerweile explodierten Gasflaschen in immer kürzeren Zeitabständen. Die Strahlungswärme der Feuerbälle war für die vor Ort befindlichen Einsatzkräfte, trotz Deckung zu spüren. Druckwellen durchliefen die Straßenzüge und ließen alles im näheren Umkreis befindliche erbeben. Die größte Gefahr jedoch ging von den herumfliegenden Gasflaschen und deren Teilen aus, die wie Geschosse teilweise bis 300 m weit flogen und dabei Türen, Fenster, Rolltore und Wände durchschlugen. Zeitgleich zerbarst mit einem ohrenbetäubenden Knall der bereits erwähnte 2,9 t Flüssiggaslagertank. Ein riesiger greller Feuerball stieg in den Nachthimmel und senkte sich dann auf die angrenzenden Gebäude, die bereits durch die explodierenden Flüssiggasflaschen in Brand geraten waren. In der FRLSt gingen zu diesem Zeitpunkt über Notruf 112 annähernd 100 Anrufe verängstigter oder beunruhigter Bürger ein.
An der Einsatzstelle konnte aufgrund der akuten Gefahrenlage eine Brandausbreitung nicht verhindert werden. Die ersten aus einer sicheren Deckung heraus eingeleiteten Löschangriffe beschränkten sich lediglich auf das Abriegeln und den Aufbau wirksamer Widerstandslinien zum Schutze der im weiteren Umkreis vorhandenen Gebäude. Erst als die Explosionen nachließen, wurde gegen 01:34 Uhr ein massiver, umfassender Löschangriff aufgebaut, der am Objekt des Auslieferungslager für Zigaretten teilweise im Innenangriff und an den anderen Brandobjekten wegen der instabilen Dachkonstruktion ausschließlich als Außenangriff vorgetragen wurde. In den folgenden Stunden wurden zur Brandbekämpfung und zum Kühlen der noch auf dem Grundstück verbliebenen Druckgasbehälter und Gastanks insgesamt zwei Schaum- und Wasserwerfer, fünf Monitore, 9 B-Rohre sowie 8 C-Rohre (davon 2 B- und ein C-Rohr über DLK) eingesetzt. Um den großen Löschwasserbedarf von ca. 18.000 l/min zu decken, musste eine großräumige Wasserversorgung zu den einzelnen Einheiten aufgebaut werden. Insgesamt 72 Feuerwehrmänner befanden zu diesem Zeitpunkt sich im Einsatz.
Die Tatsache, das wegen einer fehlenden Feuerwehrschließanlage das Zufahrtstor zum Flüssiggaslager nicht geöffnet werden konnte und somit ein sofortiger Löschangriff nicht eingeleitet werden konnte, hat der Besatzung des HLF 1 möglicherweise das Leben gerettet. Berücksichtigt man, dass allein durch die Explosion des mit 2,9 t gefüllten Flüssiggastanks ein Feuerball mit einem Durchmesser von rund 60m in den Himmel stieg, so bleibt es dem Leser überlassen, sich die Masse vorzustellen, die die ungezählten explodierenden Gasflaschen erbrachte. Viele der eingesetzten Einsatzkräfte machten zum ersten mal die Erfahrung, hilflos einer Brandausbreitung zusehen zu müssen.
Eine kuriose Situation ergab sich noch für die im Bereich des Auslieferungslagers für Zigaretten eingesetzten Einsatzkräfte. Während der Brandbekämpfung setzten sich plötzlich 3 in der Halle geparkte LKW selbstständig in Bewegung, durchbrachen die Rolltore und wurden erst durch die Grundstücksumzäunung gestoppt. Die Dieselmotoren wurden durch die große Strahlungswärme aktiviert. Um 02:10 Uhr konnte folgende Rückmeldung abgesetzt werden: "Brandausbreitung gestoppt, Feuer in der Gewalt". Der massive Löschwassereinsatz zeigte mittlerweile Wirkung, so dass um 03:03 Uhr die ersten Einheiten wieder ausgelöst werden konnten. Um 07:00 Uhr erfolgte ein grundlegender Austausch bei gleichzeitiger Reduzierung der Einsatzkräfte. Am Mittwoch, dem 11. Mai 1994 konnte die Einsatzstelle um 19:00 Uhr schließlich aufgehoben werden. Der Gesamtlöschwasserverbrauch betrug bis dahin ca. 8000 m3.
Trotz intensivster Recherche durch die Brandursachenermittler der Bremer Kriminalpolizei blieb die Frage der möglichen Brandursache offen. Da aber am selben Tag Einbrüche in Gebäuden benachbarter Betriebe gemeldet wurden, lag nach Aussage der Polizei der Verdacht nahe, dass zur Vertuschung einer Straftat ein Brand gelegt wurde.

















