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Die Nachkriegszeit bis 1969

Nach Beendigung des Krieges wurde die Feuerwehr aus dem Organisationsbereich der Schutzpolizei gelöst und der alte Zustand der Berufsfeuerwehr wieder hergestellt.  Auch die alten Amtsbezeichnungen wurden wieder eingeführt. Drei Tage nach der bedingungslosen Kapitulation der Reichsregierung bestand am 11. Mai 1945 die „Berufsfeuerwehr Bremen“ 75 Jahre. Auf Grund der sich überstürzenden Ereignisse jener Tage dachte damals niemand an dieses Jubiläum. Durch die Kriegseinwirkungen waren alle Feuerwachen im Bremer Raum einschließlich der Gerätehäuser der freiwilligen Feuerwehren mehr oder weniger stark beschädigt oder teilweise zerstört worden. Unter Aufbietung aller Kräfte und trotz der immer wiederkehrenden Schwierigkeiten mit Materialbeschaffung wurden die Wiederaufbauarbeiten begonnen. Der Wiederaufbau der Feuerwachen wurde zusätzlich dadurch erschwert, dass außergewöhnlich viele Feueralarme und Hilfeersuchen jeglicher Art zu bewältigen waren.

Wenn die Berufsfeuerwehr Bremen trotz der materiellen, personellen und der Ernährungsschwierigkeiten alle Aufgaben dieser Zeit reibungslos bewältigen konnte, so war das ein Zeichen für die Einsatzfreudigkeit und den Wiederaufbauwillen aller im Dienst verbliebenen Feuerwehrbeamten und der in der Ausbildung befindlichen Feuerwehrmänner. Manche Stunden und Tage wurden beim Steine putzen verbracht. Trotz der starken Zerstörung des Feuermeldesystems konnten die Nachrichtenverbindungen mit allen Feuerwachen und der freiwilligen Feuerwehr schnell wieder hergestellt und 90 öffentliche Feuermelder in Betrieb genommen werden.

Die Feuerwache 4 in Blumenthal wurde in den Dienst gestellt und das Gebäude der freiwilligen Feuerwehr von der Berufsfeuerwehr übernommen. Auf Grund einer Senatsverfügung vom 18. Dezember 1945 über die Wiedergutmachung von Beamtenentlassungen im Jahre 1933 wurden ohne Abtleistung einer Prüfung vier Beamte zu Oberbrandmeistern und 13 Beamte zu Brandmeistern befördert. Als Nachfolger für den im Jahre 1948 entlassenen Branddirektor Anders übernahm auf Anordnung des Senats der Oberbrandmeister Hermann Kurlenski Leitung der Berufsfeuerwehr Bremen. So wurde er 1949 als Leiter der Feuerwehr zum Brandrat und 1950 zum Branddirektor befördert. Er leitete noch - ein Jahr über die Altersgrenze hinaus - bis zum 28. September 1962 die Feuerwehr. Unter seiner Leitung erreichte sie die Leistungsstärke wieder, die für eine Berufsfeuerwehr einer Hafenstadt wie Bremen erforderlich ist. In den Jahren 1948/1949 wurden - um eine Abkürzung der langen Anfahrtswege im Stadtgebiet zu erreichen - die Feuerwachen 8 in Schwachhausen (Orleansstraße), 9 in Hemelingen (An der Grenzpappel) und die Feuerwache 10 in Grohn neu eingerichtet.  Das im Feuerlöschdienst stehende Personal der Berufsfeuerwehr bezifferte sich am 31. März 1950 auf 327 Beamte bei 439296 Einwohnern und einer Flächengröße der Stadt Bremen von 317,16 qkm. Es kamen auf einen Feuerwehrmann 1349 Einwohner. Die Löschwasserversorgung wurde sichergestellt durch 4434 Unterflur- und 835 Überflurhydranten. Dazu kam im Hafengebiet die Hochdruckleitung mit 152·Überflurhydranten.

Mit der Verabschiedung des neuen Gesetzes über den Feuerschutz Im Lande Bremen vom 18. Juli 1950 wurde das Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 23. November 1938 außer Kraft gesetzt. Damit wurde in Bremen endgültig ein Strich unter die Vergangenheit gezogen.

Die Ausrüstung der Feuerwehrfahrzeuge wurde weiter ergänzt. Neue Fahrzeuge wurden angeschafft, unter anderem ein Kranwagen, der unter Verwendung eines alten Drehreiterfahrgestells, von der Firma „Giese, Bremen“ gebaut wurde. Obwohl der Kran nur im Handbetrieb bedient werden konnte, hat der Wagen sich viele Jahre bei Hilfeleistungen und Beseitigungen von Verkehrshindernissen imStraßenverkehr bewährt. Außer sonnabends übte das Personal der Berufsfeuerwehr täglich eine Stunde an Fahrzeugen und Geraten. Freitags wurde auf dem Hof der Feuerwache 1 (Am Wandrahm) eine größere Löschübung durchgeführt, zu der in regelmäßigem Wechsel die Besatzungen aller Feuerwachen herangezogen wurden. Weiter wurde das theoretische Wissen der Beamten laufend durch Unterricht auf der Wache in allen Gebieten des Feuerlösch und Sanitätsdienstes vertieft.

Bei der Brandbekämpfung des im Bremer Europahafen liegenden Motorschiffes Wihinapa am 26. Oktober 1959 verunglückten Brandrat Kurt Lentz im 49. Lebensjahr und Feuerwehrmann Hermann Rauch im 30. Lebensjahr tödlich. Außerdem erlitt ein Feuerwehrmann schwere Brandverletzungen. Die Beamten der Feuerwehr Bremen übernahmen für die am 1. Mai 1960 geborene Cornelia Rauch, Tochter ihres tödlich verunglückten Kollegen, die Patenschaft.

Aus den Großeinsätzen des letzten Jahrzehnts ragt vor allem die Flutkatastrophe am 13 / 14. und 16/17. Februar 1962 heraus. Die Berufsfeuerwehr und die 18 Freiwilligen Feuerwehren standen mit insgesamt 750 Männern pausenlos im Einsatz. Außer den 1110 Einsätzen wurden noch 135 Unfall- und 173 Krankentransporte während der Sturmflutkatastrophe durchgeführt. Es wurden 136 Menschen lebend und 5 Menschen tot geborgen, 154 Bäume wurden gefällt und ungezählte Straßen von Hindernissen befreit, außerdem sehr viel Klein- und Großvieh aus dem Wasser geholt.

Als Nachfolger von Branddirektor Kurlenski wurde am 1. Oktober 1962 der neue Branddirektor Karl Oberdieck von Bürgermeister Adolf Ehlers in sein Amt eingeführt. Oberdieck leitete die Feuerwehr Bremen bis zum 31. März 1969.

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