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Von 1895 bis 1920

Das Jahr 1895 für die Bremer Berufsfeuerwehr ein Jahr von besonderer Bedeutung. Das Jubiläum ihres 25 jährigen Bestehens Wurde festlich begangen. Man konnte auf eine für die Stadt lebenswichtige Tätigkeit zurückblicken. Dem Jubiläum wurde ein festlicher Anstrich dadurch verliehen, dass an der offiziellen Feier nicht nur Mitglieder des Senats. Der Bürgerschaft und Vertreter fast aller Behörden teilnahmen, sondern auch frühere Offiziere und Mannschaften, die zum Teil von weit her kamen. Senator Schultz hielt die Festansprache.

 Branddirektor Dittmann nahm das 25 jährige Bestehen der Feuerwehr zum Anlass, eine Anzahl Bremer Bürger anzusprechen und sie für die Gründung einer Kasse zu  interessieren; die dem Feuerwehrmann im Notfall eine Unterstützung gewähren sollte. Am Ende des Jahres waren die

Sammlungen so weit abgeschlossen, dass der Grundstock dieser Unterstützungskasse etwa 26000 Mark betrug. Im Anschluss an die Jubiläumsfeier fand am 13., 14. und 15. Mai 1895 das erste Zusammentreffen aller Deutschen Berufs-Branddirektoren statt Der 13. Mai dürfte somit nach den vorhandenen Unterlagen der Tag der Gründung der heutigen Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren (AGBF) sein.

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Einige Feuerwehrmänner begingen  im Laufe des Jahres ihr 25jähriges Dienstjubiläum. An solchen Tagen zu einem General-Appell angetreten, bei dem der Branddirektor dem Betreffenden einige anerkennenden Worte aussprach. Die Mannschaft ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, einem alten Kameraden ein kleines Geschenk als Erinnerung an seinen Ehrentag zu überreichen. In Verbindung mit den 25jährlgen Dienstjubiläen ist folgende Feststellung der damaligen Branddirektoren von besonderem Interesse.

“Es gibt kein Beruf, der den Körper in so schonungsloser Weise zu Grunde richtet, wie es der des Feuermanns ist. Trotzdem die Leute meistens bald nach ihrer Militärzeit also etwa 24 Jahre alt eingestellt und kräftig sind, ergibt die Erfahrung, dass nur wenige 25 Jahre Dienstzeit aushalten und wenn das der Fall ist, dass sie dann allen an einen tüchtigen Feuermann zustellenden Anforderungen nicht mehr voll genügen können. Eine 25jährige Dienstzeit ist selten, eine noch längere schon außergewöhnliche, wie die bei allen deutschen Berufsfeuerwehren seit 45 Jahren am Offizierskorps und bei der Mannschaft gemachten Erfahrungen bestätigen.“…

Die Feuerwache 3 an der .Bernhardstraße wurde am 28. Januar 1896 aufgegeben. Die neuerbaute und nach amerikanischem Vorbild eingerichtete Feuerwache wurde „Auf der Kuhlen 1“ bezogen und mit einer Kohlensäure-Druckspritze sowie dem nötigen Zubehör ausgerüstet.

Für die Erhöhung der Sicherheit in den Häfen wurde im gleichen Jahre ein zweiter Spritzendampfer in Dienst gestellt. Dampfer 1 wurde in den Holz- und Fabrikenhafen verholt, Dampfer 2 erhielt seinen Liegeplatz im Freihafen beim Schwimmkran.

 Das Jahr 1896/97 war ein Jahr der Großfeuer: Brand einer Kistenfabrik, eines Weinspeichers, einer Schokoladenfabrik und einer Reihe von Packhäusern in der Hohetorstraße 1 a bis 1e. Seit Bestehen der Berufsfeuerwehr gehörte daher dieses Jahr zu den arbeitsreichsten.

 Aus den gewonnenen Erfahrungen war die Feuerwehr bestrebt. mehr Gewicht auf Vorbeugungsmaßnahmen zu legen. Sie Widmete diesem wichtigen Abschnitt ihrer Tätigkeit immer mehr Aufmerksamkeit. Die Feuerwehr war bemüht, die Ausbreitung. eines Feuers zu verhindern oder zumindest zu erschweren, indem sie bauliche Konstruktionen und Materialien erprobte, die als feuersicher zu bezeichnen waren. Es gelang, dafür zu sorgen, dass in Fabriken und Lagerhäusern nur Eisenkonstruktionen zugelassen wurden, die mit feuersicherem Material ummantelt waren.

 

Auf der internationalen Ausstellung für Feuerschutz- und Feuerrettungswesen in Berlin wurde der Bremer Berufsfeuerwehr für hervorragende Verdienste auf diesem Gebiete die Silberne Portrait-Medaille Ihrer Majestät der Kaiserin zugesprochen. Der Fernmeldedienst war nunmehr so weit ausgebaut und verbessert worden, dass jetzt sämtliche Feuermeldelinien auf der Hauptfeuerwache einliefen. Er war so eingerichtet, dass die Feuerzeichen des betreffenden Ausrückebezirks der einzelnen Wachen gleichzeitig auf dieser und der Hauptfeuerwache erschienen. So konnten auch die Nebenwachen schneller alarmiert werden. 1903 wurde in Hastedt an der Fährstraße die Feuerwache 6 in Betrieb genommen. Die Wache wurde besetzt mit einem Oberfeuermann, vier Feuerleuten, einem Telegraphisten und einem Fahrer. Bremens Berufsfeuerwehr hatte nun eine Stärke von 173 Mann erreicht. Außerdem konnte sie jetzt auf vier Hilfsfeuerwehren der Außenbezirke Gröpelingen, Walle, Woltmershausen und Hastedt mit einer Gesamtstärke von sieben Oberbrandmännern, 65 Brandmännern und zwei Gerätewarten zurückgreifen. Im September und Oktober1904 machte der Branddirektor Dittmann eine Reise in die USA, wo er die Feuerwehren mehrerer größerer Städte besuchte und die technischen Einrichtungen zum Löschen und den Feuerschutz sowie die Feuermelder~ und Polizei-Telegraphen eingehend studieren konnte. Mit der Erweiterung der unzureichenden Hauptfeuerwache war 1905 begonnen worden, Der notwendig gewordene Neubau der Feuerwache war im Juli 1906 fertig geworden. Das als Provisorium eingerichtete kleine Wachgebäude im Holz- und Fabrikenhafen wurde abgebrochen. Die großen Feuerwachen - die sogenannten Offizierswachen 1, 2,3 und 5 waren alle mit Steigehäusern oder Gerüsten versehen. Es wurden dort regelmäßige Übungen durchgeführt Um besser aufzufallen, wurden die öffentlichen Feuermelder mit "roten Laternen" versehen. Um der Alarmierung der Feuerwehr durch Unfug Einhalt zu gebieten, stattete man die Melder mit laut tönenden „Rasselgocken“ aus. Brandinspektor Marx, der 1887 und 1888 vier Monate lang vertretungsweise die Feuerwehr geleitet hatte, trat am 1. August 1907 in den Ruhestand. Als, Nachfolger wurde Brandmeister Baur zum Brandinspektor befördert und Brandmeister von Müller von der Braunschweiger Feuerwehr eingestellt. Im gleichen Jahr wurden das erste mit Dampf betriebene Automobil und der erste automobile Krankenwagen in Dienst gestellt. Branddirektor Dittmann, der die Bremer Berufsfeuerwehr zwei Jahrzehnte leitete, Starb in der Nacht vom 8. zum 9. Februar 1908. Aus einem Nachruf entnehmen wir:

…" Nicht nur um die Entwicklung der Bremer Feuerwehr, an deren Spitze der Entschlafene nahezu 20 Jahre gestanden hat, hat sich Branddirektor Dittmann bleibende Verdienste erworben, sondern um die Entwicklung des gesamten deutschen Feuerlöschwesens. Die Bremer Feuerwehr stand unter ihm stets auf der höchsten Stute ihre Schlagfertigkeit durch den Bau einer Wache nach amerikanischem System, 1894 als erste Deutschlands in Bremen in Dienst gestellt, gelang es ihm, die Alarmzeit bedeutend zu verkürzen und hierdurch die Feuerbereitschaft wesentlich zu verbessern. Er war es, der unter vielen anderen von ihm angeregten Fortschritten der Feuerwehren durch die Ausbildung der Gasspritze ein wertvolles Angriffsgerät bot. Die Einführung der Spritzendampfer in Bremen, die Einrichtung des sehr ausgedehnten Sanitätsdienstes und die Reorganisation der hiesigen Straßenreinigung waren sein Verdienst. Viele seiner Schöpfungen im Feuerlöschwesen wirkten bahnbrechend und fanden in Deutschland und dem Ausland gerechte Würdigung."…

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Die Nachfolge von Branddirektor Dittmann trat Branddirektor Baur, der am 1. März 1908 zum Branddirektor befördert wurde, an. Branddirektor Baur vollendete im Laufe der nächsten Jahre die weitere Motorisierung der Feuerwehr. Die erste elektro-automobile Magirus-Drehleiter wurde im August in Dienst gestellt. Das Chassis wurde von der Norddeutschen Automobil- und Motoren-A. G. in Bremen geliefert Dazu ist der folgende Bericht überliefert:

 …“Bei der Abnahme-Probefahrt ins Grüne, in Richtung Lilienthal, Wörpedorf ohne Benzin mit vielen Tankpausen und keine große  Eile, mit Vater Fluß als Werkmeister am Steuer und ein halbes Dutzend Feuerwehrleuten hinten aufgesessen passierte es, dass die Heimfahrt in der Dunkelheit mit einer munter geschwenkten Fahrradlaterne angetreten werden musste, weil der Feuerwehrwagen noch keine Lampen hatte. Da, auf dem "langen Jammer" bumste es. Der Feuerwehrwagen hatte sich in einen Bauernwagen verkeilt. Doch ein Unglück kommt selten allein. Es kam der Ortsvorsteher von Schorf mit Pferd und Wagen angetrabt. Scheinbar hatte das Pferd sich so furchtbar erschrocken oder schon bessere Tage als Springpferd erlebt. Es machte einen kühnen Sprung und schon lag es quer auf dem Kühler des Feuerwehrwagens. Die Feuerwehrleute konnten zwar mit hitzigen Pferdegemütern fertig werden, doch die Gerichtsverhandlung blieb nicht aus. Auch die Tankpausen kamen zur Sprache. Der Richter fragte Meister Fluß, wieviel er denn so getrunken habe ,,Och, so zehn bis fünfzehn halbe Liter und zehn bis zwölf Schnäpse." Da meinte der Rechtsanwalt der Gegenpartei: "Da kann er doch nicht mehr nüchtern gewesen sein." Doch der Richter war anderer Ansicht: "Wissen Sie", .sagte er, "ich habe in Tübingen studiert, da in der Gegend werden die Kinder mit der Bierflasche großgezogen. Das muss er vertragen können!" Meister Fluß, in der Tübinger Gegend geboren, bekräftigte: "Das kann ich auch!" Und wurde freigesprochen. Nur den Schaden, das pausierende Pferd und den angeknackten Wagen hatte er zu ersetzen. Tja und das bezahlte schon damals die Versicherung“…

In den nachfolgenden Jahren wurden Ausrüstung und Ausbildung der Feuerwehr vervollständigt und verbessert. 1911, nach Fertigstellung des letzten Bauabschnittes der Hauptfeuerwache, wurden weitere vier elektromobile Feuerwehrfahrzeuge in Dienst gestellt 1913 nahm die mit benzinbetriebenen Fahrzeugen ausgerüstete Feuerwache 7(Gröpelingen) ihren Dienst auf.

Durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde die Feuerwehr sehr stark geschwächt, da viele Feuerleute mit dem Tage der Mobilmachung eingezogen wurden. Als Ersatz wurden Vierzehn  bis Sechzehnjährige als Hilfsfeuerwehrmänner eingestellt. Ende 19.18 wurde eine seit langem gestellte Forderung des 1908 gegründeten Verbandes Deutscher Berufsfeuerwehrmänner erfüllt:  Der 24 stündige Dienst mit abwechselnder 24- stündiger Freizeit konnte eingeführt werden.

Die Feuerwehr Bremen hatte inzwischen eine Stärke (einschließlich der Oberbeamten) von 292 Mann erreicht. Seit Bestehen der Berufsfeuerwehr Bremen waren bis dahin sieben Beamte in Ausübung des Dienstes Tode gekommen. Am Tage des 50 jährigen Bestehens der Berufsfeuerwehr Bremen, am 11. Mai 1920, waren die Feuerwehrleute wieder zu einem General-Appell auf dem Hofe der Feuerwache , angetreten. Vom Senat der Freien Hansestadt Bremen waren die Senatoren Bömers und Winkelmann erschienen. Die Festansprache hielt Senator Bömers als Vorsitzender der Löschdeputation.

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