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112 Jahre Feuerwehr in Schönebeck

Freiwillige Feuerwehr Bremen-Schönebeck feiert 100-jähriges Jubiläum

112 Jahre FF Schönebeck

Der Titel des Artikels mag zunächst verwirren, aber die Freiwillige Feuerwehr Bremen-Schönebeck feiert in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen: Zum einen ihr 100-jähriges Bestehen, zum anderen aber auch die Tatsache, dass es – die Pflichtfeuerwehrzeit zuvor mit eingerechnet – seit 112 Jahren eine Feuerwehr in Schönebeck gibt. Ein umfangreiches Rahmenprogramm begleitet die Feierlichkeiten, die bis ins Jahr 2014 andauern werden.

Heute ist die Feuerwehr ein selbstverständlicher Teil unseres Lebens: Bei Feuer oder Unfall, bei Wasser im Keller oder bei Sturm: Die Feuerwehren sind zur Stelle und helfen. Aber das war nicht immer so. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es kein organisiertes Löschwesen, sondern lediglich Vorschriften der „Obrigkeiten“, die sich Anfangs sogar nur auf die Vermeidung von Bränden beziehen. Erst im Laufe der Zeit kommen Bestimmungen des baulichen Brandschutzes und noch später solche zur Brandbekämpfung hinzu. Die männliche Bevölkerung im Alter von 18 bis 60 Jahre ist kraft Verordnung verpflichtet, im Brandfalle beim Löschen zu helfen. Alle Einwohner müssen beispielsweise einen Feuereimern oder eine Leiter im Haus griffbereit haben und im Brandfalle helfen. Die Verantwortung für das Vorhalten der wenigen existierenden Löschgeräte und die Verpflichtung des Helfens liegt ausschließlich bei den Bewohnern; die Dörfer und Gemeinden selbst hingegen beteiligen sich nicht am Brandschutz. Eine wirksame Brandbekämpfung ist zu diesem Zeitpunkt nicht möglich; ein Brand bedeutet für die Betroffenen häufig den Verlust ihrer gesamten Existenz.

Erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts werden auch die Gemeinden selbst verpflichtet, Löschgerätschaften wie eine Handdruckspritze vorzuhalten. Da die Gemeinden die Beschaffung häufig nicht aus eigener Tasche bezahlen können, dürfen sie sich mit Nachbargemeinden zusammenschließen, um gemeinsam Löschgerätschaften zu beschaffen und zu unterhalten. Das Personal aber setzt sich nach wie vor aus den Einwohnern zusammen, die allerdings nicht geübt im Umgang mit dem Gerät sind. Da der Löschdienst eine Pflicht ist, ist der Löscherfolg trotz des besseren Geräts meist immer noch bescheiden. Zudem beziehen sich die Zusammenschlüsse häufig auf einen geografisch großen Bereich: 1854 ist die Gemeinde Schönebeck Teil eines Zusammenschlusses aus 16 Gemeinden, die sich zwei Handdruckspritzen teilen und auf über 35 Quadratkilometern Fläche verteilt sind. Die von Pferden gezogenen Spritzen kamen selbst bei idealen Bedingungen und auch mit motivierter und halbwegs mit den Gerätschaften vertrauter Mannschaft meist zu spät.

Von einer Feuerwehr als Organisation kann trotz der nachbarschaftlichen Zusammenschlüsse aber noch lange nicht gesprochen werden, da zwar das Gerät und auch das Personal vorhanden ist, die Löschmannschaft aber nicht dauerhaft existiert, nicht eingeübt und auch nicht fest eingeteilt ist.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bilden sich Zweckverbände zur Sicherstellung des Feuerlöschwesens, die sogenannten Spritzenverbände. Der Spritzenverband Schönebeck, zu dem unter anderem auch die Gemeinden Leuchtenburg und Löhnhorst gehören, wird 1899 gegründet, nach dem sich der bisherige Spritzenverband Lesum, der in der Größe ähnlich des gemeindlichen Zusammenschlusses von 1854 war, zuvor aufgelöst hatte. Der Spritzenverband Schönebeck ist ein Zusammenschluss von nun nur noch vier Gemeinden auf deutlich kleinerer geografischer Ausdehnung. Obwohl in den Statuten des Verbandes nun schon die technische Leitung durch einen Brandmeister geregelt und auch das Personal eingeteilt ist, kann von einer Feuerwehr noch nicht gesprochen werden, da es immer noch an einer geregelten Ausbildung und Übung mangelte.

Dies ändert sich erst 1902 mit Inkrafttreten einer Polizeiverordnung, die den Gemeinden vorschreibt, dass sie entweder einem Spritzenverband angehören müssen oder aber einer Feuerwehr zu gründen hätten. Die Gemeinde Schönebeck gehört einem Spritzenverband an und muss daher keine Feuerwehr bilden. Die Notwendigkeit in die Investition des Brandschutzes wird aber erkannt und so wird Anfang 1903 eine neue Spritze in Dienst gestellt – die Alte war zu diesem Zeitpunkt schon dreißig Jahre alt – und auch ein Spritzenhaus kann eingeweiht werden. Um die Dienstbereitschaft der feuerwehrpflichtigen Einwohner aber ist es bestellt wie in den Jahren zuvor: Die Feuerwehrpflichtigkeit ist ein Zwang, dem die Einwohner nicht immer nachkommen. Erst 1907, als mit Bernhard Wedepohl ein neuer Brandmeister das Amt übernimmt, gewinnt die Feuerwehr in Schönebeck an Bedeutung: Wedepohl ist vom ersten Tag an engagiert für die Sache der Feuerwehr: Er beantragt Gelder, Ausrüstung und Material bei der Gemeinde und bekommt diese auch immer bewilligt. Auch legt er mehr Wert auf Ausbildung und Übung des feuerwehrpflichtigen Personals und vor allem auf den Einsatz der Feuerwehrpflichtigen bei einem Brand, was aber bei den Einwohnern nicht immer auf Gegenliebe stößt. Das Engagement Wedepohls wird nicht von jedem geteilt und Konflikte zwischen den zwangsweise zum Löschdienst eingeteilten Einwohnern und Brandmeister Wedepohl sind vorprogrammiert. Wedepohl scheut auch nicht davor, diejenigen, die unentschuldigt bei Einsatz oder Übung fehlen, beim Landrat anzuzeigen, um eine Bestrafung zu erwirken. Leider ist auch dem Landrat das Löschwesen nicht so wichtig, wie es bei Wedepohl der Fall ist und dessen Eingaben verhallen bald ungehört. Letztlich ist der Konflikt zwischen dem Zwang zum Löschdienst und der Notwendigkeit des Aufbaus einer verlässlichen Feuerwehr nicht zu lösen und Wedepohl legt im Oktober 1913 schließlich frustriert sein Amt nieder.

In diese Lücke stößt der in Schönebeck wohnende Leiter der Werkfeuerwehr der Bremer Tauwerkfabrik, Friedrich Windhorst. Er ruft mit Genehmigung des Gemeindevorstehers Ende Oktober 1913 die Einwohner Schönebecks zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr auf. Am 20. November 1913 treffen sich 55 Einwohner der damals noch eigenständigen preußischen Gemeinde Schönebeck und gründen die Freiwillige Feuerwehr Schönebeck. Die neue Wehr übernimmt alles Gerät, Uniformen und das Gerätehaus und ist ab 14. Januar 1913 anstelle der Pflichtfeuerwehr verantwortlich für den Brandschutz im Ort.

Der erste Weltkrieg und die folgende Rezession machen es der jungen Wehr nicht leicht. Viele Kameraden sind zum Kriegsdienst eingezogen und die wirtschaftliche Lage nach dem Krieg lässt keinen Spielraum für eine Weiterentwicklung. Da die Wehr aber verhältnismäßig modernes Gerät hat und motiviert ist, kann sie auch diese Zeit überstehen. Die zwanziger Jahre sind vom Alltagsgeschehen einer Feuerwehr geprägt.

Gegen Anfang der dreißiger Jahre, als die ersten Motorspritzen in der Region eingeführt werden, planen auch die Schönebecker Feuerwehrleute die Anschaffung einer Motorpumpe. Ein Fonds wird angespart, wird aber von der Gemeinde eingezogen, da die Fürsorge für die Bedürftigen alle Mittel der Gemeinde beansprucht. Erst 1938 kann die Wehr die erste Motorpumpe übernehmen, die mittlerweile dringend benötigt wird, da die alte Handruckspritze schon 35 Jahre alt ist. Der nächste Entwicklungsschritt – die Beschaffung des ersten Feuerwehrfahrzeugs kann deutlich schneller vollzogen werden; noch im Frühjahr 1939 bestellt die Gemeinde einen Opel-Blitz Wagen. Die Entwicklung – sowohl in Bezug auf die Beschaffung der Motorpumpe als auch des Wagens – sind natürlich auch durch die deutschen Kriegsvorbereitungen begünstigt, denn ein funktionierendes Löschwesen ist im Kriegsfall unerlässlich. Allerdings dauert es noch bis Januar 1942, bis der neue Wagen in Dienst gestellt wird. Vermutlich gab es Schwierigkeiten, weil die Gemeinde Schönebeck zwischenzeitlich nach Bremen eingemeindet wurde und die Feuerlöschpolizei Bremen, wie die Berufsfeuerwehr zu dieser Zeit hieß, den Bestellvertrag, den die Gemeinde Schönebeck noch geschlossen hatte, nicht erfüllen wollte oder konnte.

Der Krieg fordert die Wehr in zahlreichen Einsätzen bis auf das Äußerste, aber zum Glück kommen alle Kameraden unversehrt von den teils lebensgefährlichen Einsätzen zurück. Auch das Gerätehaus und der Wagen der Wehr überstehen den Krieg unbeschadet.

Die schwierigen Nachkriegsjahre sind naturgemäß eher von „Dienst nach Vorschrift“ geprägt, aber die Schönebecker Wehr ist trotzdem engagiert und trägt ihren Teil dazu bei, dass das Löschwesen nach dem Krieg neu organisiert werden kann. So ist die Schönebecker Wehr unter anderem an der Gründung des Vorläufers des späteren Landesfeuerwehrverbandes beteiligt. Wie auch in den schwierigen Jahren nach dem ersten Weltkrieg halten eine gute Kameradschaft die Wehr zusammen und ermöglichen trotz widriger Bedingungen, dass die Wehr funktionsfähig bleibt.

Ab 1950 geht es bergauf: Die Wehr ist jung und motiviert und kann ihr Können unter anderem bei den neuen „Senatspokalwettkämpfen“, bei denen sich die freiwilligen Wehren Bremens untereinander messen, unter Beweis stellen. Bis heute ist die Schönebecker Wehr die erfolgreichste Wettkampfgruppe Bremens.

1963 kann ein neues Löschfahrzeug in Dienst gestellt werden und mit dem Ende der sechziger Jahre getroffenen Beschluss, im Zivilschutz mitzuarbeiten, kann die Wehr weitere Fahrzeuge übernehmen, die zunächst aber im Katastrophenschutzdomizil in Lesum untergebracht werden müssen. Die Wehr ist immer noch im 1903 gebauten Spritzenhaus untergebracht, welches für eine Handruckspritze gebaut wurde und den Anforderungen an eine moderne Wehr nicht im Geringsten genügt. Anfang der siebziger Jahre kann die Wehr ihr neues Domizil in der Straße „Auf dem Krümpel“ übernehmen und hat erstmals seit vielen Jahren wieder eine angemessene Unterkunft, die im Laufe der Jahre in viel Eigenarbeit weiter um- und ausgebaut wird.

Bis heute ist die Wehr „Auf dem Krümpel“ beheimatet. Im Jahr 2004 können mit den ehemaligen Gebäuden des Gartenbauamtes weitere Räumlichkeiten für die Feuerwehr gewonnen werden, so dass die Wehr heute über ein in Bremen einmaliges Gelände und einmalige Räumlichkeiten verfügt. Der Fahrzeugpark, der sich seit Anfang der Siebziger natürlich noch mehrfach geändert hat, ist modern und bietet der Wehr eine Vielzahl an Möglichkeiten bei der Brandbekämpfung und technischen Hilfeleistung.

Ihren Nachwuchs gewinnt die Wehr zu einem großen Teil aus der 1992 gegründeten Jugendfeuerwehr. Der Vorteil liegt auf der Hand: Der Nachwuchs kommt schon (fast) fertig ausgebildet in die Wehr, ist schon integriert und mit dem Gerät und den Gepflogenheiten der Wehr vertraut.

Seit 2005 leistet der „Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Bremen-Schönebeck.e.V.“ finanzielle Unterstützung und ermöglicht die Beschaffung von Ausrüstungsgegenständen, Schutzkleidung und dergleichen.

Die Schönebecker Wehr ist seit nunmehr 100 Jahren eine verlässliche Größe im Ort und in der Stadtgemeinde Bremen. Schon immer hat die Wehr mehr als nur „Dienst nach Vorschrift“ getan. Heute übernimmt die Wehr neben der klassischen Brandbekämpfung und technischen Hilfeleistung Sonderaufgaben für die Feuerwehr Bremen: So ist einer der beiden Einsatzleitwagen in der Wehr beheimatet. Außerdem ist die Wehr – neben der FF Bremen-Neustadt – als eine von nur zwei Wehren für den Einsatz des Wasserfördersystems – einer speziellen, mobilen Hochleistungspumpe zur Wasserförderung – zuständig. Ferner ist die Wehr als eine von wenigen Wehren in Bremen-Nord „tagesalarmsicher“ und kann 24 Stunden am Tag eine Einsatzbereitschaft sicherstellen – obwohl die freiwilligen Wehrmitglieder tagsüber ihren Berufen wie jeder Normalbürger nachgehen.

Die gute Kameradschaft und der Zusammenhalt zeigen sich auch an der Beständigkeit in der Wehrführung: In den hundert Jahren ihres Bestehens hat die Wehr nur sechs Wehrführer gehabt; allein der aktuelle Wehrführer <st1:PersonName w:st="on">Detlef Scharf</st1:PersonName> und dessen Vorgänger Wilhelm Hilke haben zusammengerechnet fast 45 Jahre lang die Geschicke der Wehr geleitet.

Heute kann die gut ausgerüstete und motivierte Wehr, die im Gegensatz zu vielen anderen Wehren keine Nachwuchssorgen hat, entspannt die nächsten 100 Jahre auf sich zukommen lassen.

Die Geschichte des Löschwesens und der Freiwilligen Feuerwehr Schönebeck können detailliert in dem Buch „112 Jahre einer Norddeutschen Feuerwehr – Geschichte des Löschwesens in Bremen-Schönebeck“ nachgeschlagen werden. Das Buch zeigt am Beispiel der FF Schönebeck die Entwicklung des Brandschutzes und Löschwesens von der Mitte des 17 Jahrhunderts bis heute auf. Auch die technische Entwicklung von einfachsten Löschmitteln wie Eimern über die Handdruckspritzen und den Motorpumpen bis zu den heutigen Einsatzfahrzeugen wird dargelegt.

Das Buch ist über die Freiwillige Feuerwehr Schönebeck oder den Buchhandel zu beziehen.